Ein echter Renner: Rentner mit Nachwuchssorgen
„Darstellung auf einer Absolventenmesse“ stand als Stichwort für das Briefing in meinem Kalender. Als Kreativer der betreuenden Werbeagentur freute ich mich schon auf den Termin im Hause avitea, denn dort spielt man mit offenen Karten, wir erhalten viel Hintergrundwissen und bekommen schon früh gesagt, ob wir uns „kreativ austoben“ dürfen.
„Wir präsentieren uns auf dem VDI Recruiting Tag und möchten dort angehende, junge Ingenieure für uns begeistern. Diese können sich derzeit ihre Stelle aussuchen, denn es gibt einfach zu wenige.“ startete Joerg Seidel, Marketingleiter bei avitea, das Gespräch. „Im Gegensatz zu den großen Marken der Automobilindustrie und deren Zulieferern sind wir aber quasi unbekannt – wenn überhaupt, haben wir das z.T. zweifelhafte Image der Personaldienstleistungsbranche. Die Jobs, die wir anbieten werden, sind natürlich nicht im eigenen Hause, sondern bei unseren Kunden. …“
„Wow, gibt’s auch was Positives?“ entfuhr es mir spontan.
„Das ist alles positiv.“ An Seidels Gesichtsausdruck war nicht zu erkennen, ob er das ernst meinte oder nicht. Ich grübelte kurz vor mich hin. ![]()
„Ah, OK. Aus der Sicht eines Absolventen sieht das Ganze dann schon anders aus.“ gab ich zurück. „Bei den ‘großen Marken’ ist der Job mehr oder weniger eintönig, weil das Thema ja schon festgelegt ist. Und mehr Sicherheit bieten die Konzerne auch nicht zwingend. Die große Nachfrage nach qualifizierten Ingenieuren, bedeutet auch, dass sich diese ihre Jobs genauer ansehen werden. Das ist großartig, denn avitea ist zwar kaum bekannt, damit aber andererseits auch interessant. Wir müssen nur entsprechend auf uns aufmerksam machen. Immerhin kann avitea regelmäßig neue Herausforderungen und Themenbereiche bieten. Darüberhinaus …“
„Genau so hab ich mir das gedacht, Herr Nolte!“ unterbrach mich Seidel „Betrachten Sie uns aus dem Blick eines Absolventen und zeigen Sie Vielschichtigkeit und Attraktivität einer Anstellung bei avitea auf. Ingenieure sind clever, die verstehen sehr schnell, welche Potenziale sich ihnen da bieten …“![]()

Tage später ist es soweit. VDI Recruiting Tag, avitea Stand. (Direkt nebenan ein Konzern aus Ingolstadt und einer aus Leverkusen.) Jetzt stellt sich heraus, ob unser Konzept aufgeht und wir auf avitea aufmerksam und neugierig machen. Ich stelle mich neben den Stand und achte auf die Reaktionen.
„Ist das cool?! Ich hab gedacht, das wär nur’n Spaß.“ Ein mittzwanzigjähriger Hochschulabsolvent mit Rucksack und Basecap streckt der jungen Dame am avitea-Stand eine Orange und einen Flyer entgegen. „Können Sie mir auch gleich sagen, ob ich was gewonnen habe?“
„Sekunde. – Ja, für die Losnummer gibt’s als Sofortgewinn einen USB-Stick. Bitte sehr, viel Spaß damit. Möchten Sie die Orange mitnehmen oder soll ich Ihnen daraus einen frischen O-Saft pressen?“
„O-Saft, bitte.“ grinst der angehende Ingenieur und dreht sich zu seinem Freund, der gelangweilt auf 4 ineinander geschobene Ringe am Nachbarstand starrt „Hey Matthes, haste das eben mitgekriegt?“ ![]()
„„Nee, was denn?“
„Na, der Rentner eben, mit dem Rollator.“
„Nur am Rande, ich wollte doch direkt zu A… . Wieso, was ist denn?“ Vorne am Eingang stand doch eben dieser Opa mit dem Rollator und daran ein Schild ‘Wo bleibt der Nachwuchs?’. Ich hab mich schon gefragt, ob er keinen eigenen Nachwuchs hat. Auf jeden Fall fand ich das witzig, bin hin und der hat mir dann eine Orange in die Hand gedrückt. Da war das avitea-Logo aufgelasert. Dazu gab’s dann noch die Karte hier, mit ‘ner Losnummer und Stellenangeboten.“ er wedelt mit einem Flyer. „Musst mal gucken, die haben total unterschiedliche Bereiche, in denen man arbeiten kann und die Einstiegsgehälter klingen auch sehr spannend, ist ja auch logisch sonst würde ja niemand bei einem Personaldienstleister anfangen. …“
Scheint ja ganz gut anzulaufen, dachte ich mir, bei den beiden haben wir wohl einen positiven Eindruck hinterlassen.
Sechs Wochen später bekam ich ein Feedback, dass avitea auf der Messe über 100 wertige Bewerbungen generiert hat. Ein voller Erfolg, manchmal reicht eben eine „gute Idee“ .